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Wie ein Gu-Gu-Gummiband

Ich dachte immer, das Zusammenleben mit einem Baby funktioniert nach einem sich täglich wiederholenden, reibungslosen Ablauf. Jeder kennt seine Rolle und alles ist immer am Morgen wieder auf wundersame Weise auf seinem Platz. In Summe hat man das Gefühl ein durchorganisiertes, effizientes Leben zu führen, in dem man selbst seine Vorhaben weiterbringt, und als genussvolles Extra gibt es Qualitätsspielzeit mit dem gesäuberten, freundlichen Säugling – ein endloser, kontemplativer Quell der Freude, während Sonnenstrahlen durchs Fenster die nackten Strampelbeinchen kitzeln. Zugegeben, da bin ich wohl einem Fernseh-Babynahrung-Werbeklischee auf den Leim gegangen.

Die Realität sieht tatsächlich ganz anders aus. Ein Baby als Eltern zu betreuen ist echte, harte und manchmal auch stumpfsinnige Arbeit, vor allem die exponentiell mit jedem Lebensmonat ansteigende, unliebsame Hausarbeit. Brei – Windel – Spielzeug – Wäsche – Brei – Windel – Spielzeug – Wäsche – usw. Jeder Tag fordert uns aufs Neue, ich schaffe mein gewünschtes Arbeitspensum nur durch Schlafmangel und Verzicht auf abendliche Freizeit. Darüber hinaus ist Junior für sein zartes Alter schon ausgesprochen akkurat was seine Aktivitäten betrifft und macht seiner Unzufriedenheit unüberhörbar Luft. Was an einem Tag lustig und toll ist wird am nächsten Tag harsch verweigert und auch Schläfchen-, Brei- und Spielzeiten sind kaum vorhersehbar.

Ich war absolut nicht darauf vorbereitet, dass durch unseren Familienzuwachs eine Fähigkeit, die bis dato bei mit nur spärlich ausgebildet war, jeden Tag auf neue gefordert sein würde: Flexibilität! Vor allem, wenn ich eben auch Projekte oder persönliche Treffen abseits von Windeln und Tragetuch regelmäßig in meinem Leben haben möchte. In einem klassischen Kurzessay würde jetzt das Gegenargument kommen, quasi, dass das ja alles auch gute Seiten hätte und uns so wahnsinnig viel in punkto persönliche Weiterentwicklung bringen würde. Ja, ich bin effizienter und flexibler geworden, ja, ich denke weniger an mich und meine Bedürfnisse und ja, ich fühle mich trotzdem glücklich. Zugegeben der kleine Wirbelwind bringt täglich so viel Sonne und Wärme in unser Leben, dass wir bei der vielen Arbeit rundherum ein Auge zudrücken können und einfach ganz pragmatisch versuchen, durch geschickte und effiziente partnerschaftliche Haushaltsführung möglichst viel Spiel- und Kuschelzeit herauszuschinden. Dann freuen wir uns nach der Arbeit und der Haushaltsarbeit umso mehr aufs Spielen und Tollen, Singen und Tragen, Lachen und Kitzeln.

 

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