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„Wir gründen eine neue Bank!“

Heuer öffnet mit der Gemeinwohlbank die erste strikt nach ethischen Grundsätzen arbeitende Bank in Österreich ihre Pforten. Es herrscht freudige Aufbruchsstimmung in den Räumen an der Wienzeile. Christine Tschütscher, einer der beiden Vorstände, räumt mit dem Stereotyp vom zugeknöpften Banker auf.
26_1__christine-tschtscher_fotocredit Aleksandra Pawloff KLEIN

Christine Tschütscher, gebürtige Vorarlbergerin, studierte Betriebswirtschaft in Innsbruck und sammelte ihre beruflichen Erfahrungen bei der Ersten Österreichischen Sparkasse und der Schöllerbank, wechselte dann in die freie Wirtschaft zum Mobilfunker „One“, um schließlich als Geschäftsführerin des „Vereins Dialog“ sinnstiftend im sozialen Bereich zu arbeiten. Bei ihrem neuen Aufgabenbereich als Vorständin der Gemeinwohlbank (gemeinsam mit Robert Moser) kommen all diese Erfahrungen der 53-jährigen verheirateten Managerin zum Einsatz.

Frau Tschütscher, können Sie das Innovative an der „Bank für Gemeinwohl“ beschreiben?
Christine Tschütscher: Wir gründen diese Bank aus der Zivilgesellschaft heraus. Konkret heißt das, dass wir sie mit 30.000 bis 40.000 Genossenschaftlern gründen und nicht, wie üblich, mit vier bis fünf Großinvestoren. Dieses Genossenschaftsprinzip ist weltweit einmalig. Wir arbeiten nicht gewinnorientiert, sondern gemeinwohlorientiert, was heißt, dass die Bank zwar betriebswirtschaftlich geführt wird und Gewinne macht, dass diese aber sinnstiftend verwendet werden. Fast 100 Ehrenamtliche aus allen gesellschaftlichen Bereichen unterstützen uns derzeit beim Aufbau des Projekts, unter ihnen auch viele Bankerinnen und Banker. 

Signalisiert die Bereitschaft von BankerInnen, sich ehrenamtlich für eine Ethikbank zu engagieren, die Unzufriedenheit mit dem herrschenden Bankensystem?
Offenbar können viele ihre bisherige Arbeit mit den eigenen Visionen und der eigenen Wertehaltung nicht mehr in Einklang bringen. Es braucht neue Ansätze. Als Gemeinwohlbank werden wir Überschüsse verwenden, um Projekte und Unternehmen aus Biolandwirtschaft, erneuerbaren Energien, Bildung sowie Wohnprojekte zu fördern. Wir unterstützen ausschließlich die Realwirtschaft und lehnen Spekulationen ab. Wir sind also Partner mit den klassischen Produkten Girokonto, Spar- und Kreditfinanzierung. Bei jeder Finanzierungsanfrage wird die Gemeinwohlorientierung geprüft und damit Faktoren wie Nachhaltigkeit, Kooperation und Gleichberechtigung. Die Genossenschafter bestimmen mit, welche Projekte und welche Branchen besonders unterstützt werden. 

Wie funktioniert dieses Genossenschaftsmodell?
Jeder und jede kann mit mindestens 200,00 und höchstens 100.000,00 Euro einsteigen. Unabhängig von der Kapitaleinlage gilt: ein Kopf, eine Stimme. Wir nennen das Genossenschaft 2.0, weil dies eine Weiterentwicklung des herkömmlichen Genossenschaftsgedankens darstellt. Gerade entwickeln wir ein Meinungsbildungsmodul, um mit unseren Tausenden von Genossenschaftlern auch online kommunizieren zu können. Wir werden transparent mit unseren Kosten umgehen. Auch darin sind wir Vorreiter. Wir haben eine Gehaltsspreizung von eins zu fu?nf festgelegt, das heißt, wenn das niedrigste Gehalt bei 1.000,00 Euro liegt, dann liegt das höchste bei 5.000,00. Und es wird auch keine branchenu?blichen Boni geben.

Lesen Sie weiter in „Welt der Frau“ 03/16

Auf der Website erfahren Sie mehr über die Gemeinwohlbank und darüber, wie Sie sich beteiligen können: www.mitgruenden.at 

Erschienen in „Welt der Frau“ 03/16 – von Christa Spannbauer