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Ein junges kalifornisches Artistenpaar findet, dass man gar nicht oft genug „Ja, ich will!“ zueinander sagen und sich dabei auch gleich die ganze Welt anschauen kann.

Fragt man Rhiann Woodyard und Cheetah Platt, warum sie einander stets aufs Neue das Jawort geben, sind sie um eine Antwort nicht verlegen. „Wir mögen die Symbolik, immer frisch verheiratet zu sein und uns wieder und wieder unsere Liebe zu versprechen“, erklärt Cheetah Platt. Derzeit steht das Paar aus Kalifornien bei 54 Hochzeitszeremonien. Gerade letzten Monat, im September, haben die beiden in Portland, Seattle und Mexiko geheiratet. So der aktuelle Zwischenstand. Nicht, dass Cheetah (31) und Rhiann (33) daran denken, jemals mit dem Heiraten aufzuhören. „Wir haben vor, das für den Rest unseres Lebens weiterzumachen.“

 Eine kleine Auswahl der vielen Orte gefällig, an denen das Artistenpaar sich seit Februar 2015 tief in die Augen geschaut, das Eheversprechen abgelegt, sich die Ringe angesteckt und „Ja, ich will!“ gesagt hat? All die Hintergründe, vor denen Rhiann ihren Mann am Schluss einer jeden Zeremonie mit dem Satz „Sie dürfen die Braut küssen!“ zum traditionellen Vermählungskuss aufgefordert hat? In der Ruine einer 1.000 Jahre alten irischen Kathedrale zum Beispiel, auf dem schottischen Hochmoor, bei einem buddhistischen Höhlentempel in Indien, umgeben von einer Gruppe Kängurus in Australien, im städtischen botanischen Garten von Bogotá, in einem südafrikanischen Wildtierpark mitsamt Giraffe, auf dem New Yorker Times Square vor laufender TV-Kamera und Publikum, bei Regen, im Flugzeug oder bei Sonnenuntergang am Strand. 

Zu all diesen Ereignissen gibt es Fotos. Cheetah hat sie mithilfe eines Stativs und der Selbstauslöserfunktion seines Smartphones gemacht. „Die Bilder sind lauter Selfies“, lacht er. Braut und Bräutigam tragen darauf festliche Kleidung: Rhiann ein weißes Hochzeitskleid mit Schleier, Cheetah einen hellgrauen Hochzeitsanzug mit Hemd, Halsbinde und Stecktuch. Manchmal stehen sie einander ganz traditionell gegenüber: etwa in der thailändischen Elefanten-Rettungsstation Ran-Tong, während ein Babyelefant sie mit seinem Rüssel beim Händchenhalten unterstützt. Doch dann gibt es auch Fotos, auf denen das Artistenpaar vor einer Gruppe ostafrikanischer Massai hoch in die Luft springt, Rhiann vor einer Stadtkulisse auf den hochgereckten Händen ihres Mannes einen Handstand macht oder Cheetah seine Frau einarmig in die Luft stemmt, während diese sich verkehrt nach hinten beugt, um ihn zu küssen. Hintergrund: die Pyramiden von Gizeh, vom Bildrand lugt ein Kamel ins Foto. 

Es sind humorvolle Bilder, die von Lebensfreude, Unternehmungslust und dem Vergnügen der beiden erzählen, ihrer originellen World-Wide-Wedding-Vision quer über den Globus zu folgen. Wer hätte gedacht, dass diese Idee ursprünglich aus Geldmangel geboren wurde? Rhiann und Cheetah wollten nicht Tausende Dollars für ein paar Stunden eines traditionellen Hochzeitstags ausgeben. Sie stellten fest, dass ihre Traumhochzeit ganz ohne Gäste, Catering, Fotografen, Kirche und Blumenschmuck auskam. „Es sollte möglichst intim und nur zwischen uns beiden sein. Eine solche Hochzeit hätte irgendwo stattfinden können, also dachten wir uns: ,Dann doch gleich überall!‘“ Das Geld, das sie hatten, steckten sie in die Reise, hielten unterwegs alles auf möglichst niedrigem Preisniveau und ließen sich von schönem Ort zu schönem Ort treiben. Die Hochzeitszeremonien selbst kosteten sie keinen Cent. Drei Monate dauerte ihre erste Reise, danach folgte eine offizielle amtliche Zeremonie, und seither geht es weiter und immer weiter. Eine nächste Weltreise ist geplant. Cheetahs und Rhianns Botschaft an andere: „Macht eure Hochzeit zu etwas Eigenem.“

Hier geht’s zum Video: World Wide Wedding

Erschienen in „Welt der Frau“ 10/15 – von Julia Kospach