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Ziemlich schräge Typen

Ich muss vorausschicken, wenn ich hier über Männer rede, rede ich nicht über meinen Mann, denn ich habe keinen. Trotzdem kann ich über Männer reden, denn ich kenne Männer. Und als alleinstehende Frau ist man normalerweise auch nicht ganz abgeneigt, Männer kennenzulernen. Wer will schon sein Leben alleine verbringen? Also kenne ich verschiedene Männer, wenn auch nur oberflächlich.

Einmal zum Beispiel lernte ich jemanden kennen, als ich mit meinem Hund spazieren ging. Er selbst hatte keinen Hund, beteuerte aber sogleich seine große Tierliebe. Doch schon nach wenigen Treffen musste ich mir anhören, dass mein Hund nach einer ganzen Horde Kühe rieche und es eigentlich eine Frechheit sei, meinen Hund nicht zu baden. Mit der Horde Kühe hatte er recht, aber muss ich mir deswegen solche Sachen sagen lassen?

Gut. Ein halbes Jahr später lernte ich beim Eislaufen mit den Kindern jemanden kennen, der bereits beim zweiten Abendessen von mir verlangte, ich solle doch meine Kinder einmal alleine lassen und die Nacht stattdessen mit ihm verbringen, das würden sie schon aushalten, weil: Ist denn sonst überhaupt Platz für einen Mann in meinem Leben? So eine Glucke wie ich müsse immerhin Abstriche machen, wenn sie ernsthaft eine Partnerschaft suche. Ich ergriff sofort die Flucht.

Einige Monate nach diesem Ereignis saß ich gemütlich bei einem sommerlichen Achterl in einem Gastgarten mit einem Mann zusammen, der tatsächlich und völlig aus heiterem Himmel sagte, „seiner“ habe stolze 18,5 Zentimeter. Ich wäre fast tot umgefallen! Wirklich, ich kann meine Erschütterung gar nicht angemessen genug darstellen. Mein Herz plumpste tief nach unten, stolperte dort weiter und begann zu brennen. Ich sah ihn an, als wäre er soeben aus der Psychi­atrie entlassen worden, und ebenso behandelte ich ihn für die Dauer des restlichen Achterls. Als hätte er zwei ungesicherte Pistolen in der Hand, mit dem Lauf auf mich gerichtet,
beobachtete ich akribisch jede seiner Bewegungen, lachte über alles, was er sagte, und äußerte nichts, aber auch gar nichts, was irgendwie hätte verfänglich gedeutet werden können. Der Mann kam mir schlichtweg nicht zurechnungsfähig vor. Wie kommt jemand dazu, an einem gemütlichen, netten Abend mit völlig unverfänglichen Themen plötzlich „davon“ anzufangen?

Meine Lust, Männer kennenzulernen, sank nach diesem Zwischenfall auf null. Natürlich sagen diese doch sehr persönlichen Vorkommnisse nichts über Männer im Allgemeinen aus, nicht einmal etwas über Männer im Speziellen, ganz zu schweigen von der fehlenden statistischen Relevanz meiner Beobachtungen. Trotzdem hat sich mein Männerbild seither drastisch verschlechtert. Vielleicht liegt das auch an mir, möglicherweise bin ich ja eine realitätsferne, lebensunfähige Mimose. Wenn das so ist, stört es mich nicht. Ich komme ganz gut mit mir zurecht, es ist unkompliziert, harmonisch und friedlich. Soll ich das etwa gegen gebadete Hunde, kinderlose Nächte und wahnsinnige 18,5 Zentimeter eintauschen? Ein Leben zu zweit stelle ich mir anders vor.

Erschienen in „Welt der Frau“ 0708/17

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