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Zuerst wird auf dem Land alles flacher
Eva Rossmann: Krummvögel

Wer ist nun ausgestorbener: Salondamen oder Krummvögel? Als Anna und Hans auf Land ziehen, wird alles anders. Alles wird flacher und die bösen Kriegsnachrichten haben auch nichts mehr mit den beiden zu tun. Endlich! Ein Glück! Jetzt zählen nur noch die Krummvögel: Viecher einfach, größer als Fasane und dicker als der Kanzler. Meinen sie vielleicht nicht Krummetvögel, so haben die Truthähne früher geheißen und zu den Truthühner sagte man Kapaune. Sie kaufen im Baumarkt Katzenfutter und hoffen, dort auch eine Krummvögel-Such-Ausrüstung erstehen zu können.

Eva Rossmann (1962 geboren) lebt am Land, genauer gesagt im Weinviertel, ist ausgebildete Köchin und bekannte Genießerin. Seit 1994 arbeitet die Verfassungsjuristin und politische Journalistin als freie Autorin: Mira Valensy (Journalistin in Wien) und Vesna Krajner (von der Putzfrau zur Besitzerin einer Putzfirma aufgestiegen) sind nach 14 Kriminalromanen besser bekannt, als es Krummvögel je sein werden. Eva Rossmann zeichnet Landidyllen vom Pfarrblatt über die aktuelle Ausgabe der „Großen“ Zeitung hin zum Bezirksblatt, dass von günstigen Zuchtsäuen berichtet. Anna war vor ihrer Stadtflucht auch Journalistin, ihr Chefredakteur ist ihr immer noch auf den Fersen. Dabei ergibt sich auch ein wichtige Diskussion, für alle Linkslinken des Landes, was ist eine „linkradikalgrüne“ Zeitung?

Kümmern Sie sich lieber um die berechtigten Sorgen und Ängste der Inländer. Ein Eingeborener ist kein Schwarzer.“ „Einer aus dem Kosovo muss auch keiner sein!“Mein Chefredakteur lässt durchblicken, dass er Kosovaren doch an den „Schwarzen“ sehe als Eingeborene. Ich gebe zu bedenken, dass das vom jeweiligen Standort abhänge.

Es ist eine Freude, mit Eva Rossmann Krummvögel zu suchen, in Wirtshäusern zu philosophieren  und auch „Masse und Macht“ von Canetti mitzulesen, ja, tauchte nicht mitten in der Lektüre von Masse und Klasse ein Krummvogel am Horizont auf. Er ist bräunlich weiß, groß und hat einen kleinen, schmalen Kopf. Ach, doch ein Irrtum, Anna hat ein Huhn erspäht, na ja, ohne Brille sieht auch sie längst nicht mehr so scharf wie früher! Und für alle, die noch mehr wissen wollen: Wie wäre es, würde man einfach auch einen Einwanderungsstopp für ausländische Tiere entwerfen. Hans hält Annas Idee für geschmacklos. Die anderen im Dorf finden die GROSSE Zeitung außerdem gar nicht so schlecht, sie sei eben klein und daher praktisch.

Und die Krummvögel? Ja, die finden sie auch nicht. Ist aber nicht mehr so wichtig! Auch dass diese Geschichte den Zweitnamen „Roman“ trägt, auch egal! Wirklich! Ist ein toller Text!

Eva Rossmann. Krummvögel
Roman
Innsbruck: Limbus 2014
ISBN 978-3-902534-72-9

 

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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