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Zusammenspiel mit vielen Saiten

Der syrische Musiker Salah Ammo lebt seit drei Jahren in Österreich und bringt mit seinem Projekt „Syrian Links“ syrische und österreichische KünstlerInnen miteinander in Kontakt.

Die syrische Musik ist so vielfältig wie die Menschen, die das Land bevölkern – oder muss man im Fall Syriens sagen: bevölkert haben? Eine neue Heimat zu finden, ist gerade für KünstlerInnen nicht einfach, sind sie doch sehr an ihren kulturellen Rahmen gebunden, würde man meinen. Der syrisch-kurdische Musiker Salah Ammo, der vor drei Jahren als Flüchtling nach Wien kam, beweist das Gegenteil, und das nicht nur durch seine eigene Karriere, die mittlerweile Auftritte und geplante Konzerte in so renommierten Konzertsälen wie dem Jazzclub „Porgy & Bess“ oder dem Mozartsaal des Wiener Konzerthauses umfasst. Salah Ammo hat eine faszinierende Initiative namens „Syrian Links“ („Syrische Verbindungen“) ins Leben gerufen, die sich als Bindeglied zwischen syrischen und österreichischen KünstlerInnen versteht. Spannend ist, dass dabei sowohl die SyrerInnen in ihrer neuen Heimat Österreich untereinander miteinander in Kontakt kommen, aber auch Ensembles und Projekte mit österreichischen KollegInnen entstehen. Der künstlerische Austausch geht also in zwei Richtungen. Institutionell beheimatet ist die Initiative beim Verein „Kulturen in Bewegung“, dem die Rolle des Organisators zukommt.

INTEGRATIONSMOTOR MUSIK
Am 3. September dieses Jahres gab es im Wiener Jazzclub „Porgy & Bess“ das erste Konzert von „Syrian Links“, bei dem neben Salah Ammo (Gesang und Buzuk) auch Orwa Saleh (Oud) sowie die Österreicher Peter Gabis (Percussion), Julia Siedl (Klavier) und der türkische Bassist Uygar Ça?l? mitwirkten. Was ursprünglich mit der Idee für ein einmaliges Konzert begann, entwickelt sich jetzt zur Drehscheibe und zum Integrationsmotor, denn sowohl Salah Ammo als auch Orwa Saleh haben ihre eigenen gemischten Ensembles gegründet und bereits CDs mit ihnen eingespielt (siehe CD-Box). 

Für Salah Ammo beginnt mit „Syrian Links“ langsam ein Traum wahr zu werden, den er selbst noch gar nicht zu träumen gewagt hatte, wollte er doch immer ein Zentrum gründen, in dem für alle Künste Raum ist, sogar für die kulinarischen. Auch wenn dieser Raum derzeit noch virtuell ist, so sind die künstlerischen Verknüpfungen doch schnell Realität geworden. Salah Ammo knüpft mit „Syrian Links“ an das an, was er in Syrien aufgebaut hat: Brücken zu schlagen. Nicht zufällig hieß sein Ensemble „Joussour“ (Brücken). Die Vielfalt der Ethnien, Religionen und Musikstile spiegelte sich schon in der Besetzung. Arabische Laute (Oud) und Kontrabass, kurdische und assyrische Musik, Muslime und Christen als Musiker. Salah Ammos Vision war und ist es, alles miteinander zu verbinden.

Als er mit seiner Buzuk nach Österreich kam, hat er nicht nur sich selbst, sondern auch sein Instrument den neuen Gegebenheiten angepasst. Den ursprünglich drei Doppelsaiten der kurdischen Laute hat er eine vierte hinzugefügt, um besser mit seinen österreichischen KollegInnen musizieren zu können. Integration hat eben viele Sei(ai)ten …

Salah Ammo will mit seiner Musik Brücken schlagen und Kulturen verbinden.

Erschienen in „Welt der Frau“ 12/15 – Noch mehr Tipps zu syrischer Musik von Nadja Kayali finden Sie in der Dezember-Printausgabe.

Zur Autorin:

Nadja Kayali ist Musik-redakteurin beim Hörfunksender Ö1, ihr Vater stammt aus Syrien.