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Zwicken, beißen, rempeln...

Der Eine, der immer kreischt und gleich zubeißt, wenn ihm ein anderes Kind zu nahe kommt, die Kleine, die sofort zu Schreien beginnt und mit den Armen fuchtelt, als ob sie gleich abheben würde, der Junge, der zu Weinen beginnt und „Aua, aua!“ wimmert, wenn er jemandem ein Spielzeug abknöpfen will, die Süße, die zwickt, haut und beißt und dann auch noch mit dem Kopf gegen den Boden knallt – natürlich mit voller Absicht. Ja, liebe Eltern, die Zeit des Nasenrümpfens und Neunmalklugdreinschauens mit einer „also meeeeeein Kind würde….“-Attitüde sind auch bei mir vorbei. Ich habe die zuckersüßesten Engel sich in wütende Rumpelstilzchen verwandeln gesehen! Da wurden beste Kumpels von Bisswunden auseinandergebracht und auch so manche Elternträne der Ratlosigkeit kullerte zu Boden. Es gibt keine lineare Entwicklung bei Kleinkindern, es gibt keine „Übersetzung“ eines gesellschaftlich nicht tolerierten Verhaltens in schlechte Erziehungsmaßnahmen oder genetische Prädispositionen, die lückenlos alles erklären können.

Warum ich so eine Lanze breche für kleine unbändige Lauskinder mit scheinbar irrationalem, nicht gesellschaftskonformen Verhalten? Ich hätte es mir niemals vorstellen können, dass ich und mein Mann – natürlich durch und durch tiefenentspannte, friedvolle Wesen – nicht auch einen ausgeglichenen, freundlichen Bücherwurm als Kind bekommen würden – bei den Eltern? Es ist anders gekommen und Michael ist gemeinsam mit meinem Mann das Beste, das mir je passiert ist und vielleicht gerade weil er meine Welt und mein Denken aus der Zeit vor dem Kind dermaßen auf den Kopf gestellt hat! Ein Kind kommt, räumt mit dir auf, räumt wieder her, braucht dich mit Haut und Haaren und du tickst fortan einfach anders – jede einzelne Sekunde ob im Schlaf oder wach. So ist es einfach. Ich sehe mein Abenteuer Elternschaft immer mehr als eine richtig gute, geniale Welle, auf der ich halt irgendwie reite (Hauptsache über Wasser) um dann irgendwann gemütlich meine Pina Colada am Strand zu schlürfen, wenn das Kind ausgezogen ist. Naja, das sind wohl noch ein paar Jährchen hin, aber nach Mittelohrentzündung, Bronchitis, zwei neuen Backenzähnen und mehreren Stunden Protestbekundungen gegen alles und die Welt die letzten zwei Wochen, begleitet mich diese angenehme Vorstellung langsam in den Feierabend – in diesem Sinne und frei nach „2raumwohlung“ zu sagen: „Bleib ganz geschmeidig, Baby!“