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Zwischen Nestbautrieb und Arbeitswut

Unzählige selbstgemachte Nähexponate türmen sich in Babys Kommode. Apfelmuster, Krokodile, Elefanten und Sterne – von grün bis lila, von blau bis türkis. Passend zu den guten Stücken eine minzgrüne Wand mit Lebensbäumchen und ein proppenvolles XXL-Regal mit Dingen, die man für so ein Baby braucht, wie uns aus sicherer Quelle geraten wurde.

Wir versuchen dem Konsumrausch zu wiederstehen und fragen im Umfeld nach nicht mehr gebrauchten Sachen oder versuchen grundsätzlich aus zweiter Hand zu kaufen oder selber zu machen, der Umwelt und dem Kontostand zuliebe. Dennoch wird mir jetzt schon beim Gedanken an den ökologischen Fußabdruck unseres bald für einen kurzen Moment jüngsten Erdenbürgers ganz anders. Wir wollen Vorbilder sein, künftig mit weniger auskommen und, das betrifft jetzt vor allem meinen Hamstertrieb, weniger Neues anhäufen und stattdessen immaterielle Dinge und Leidenschaften in den Mittelpunkt unseres Familienlebens stellen. Warum drängt sich bei diesen Gedanken der unweigerliche Vergleich mit meinen jährlichen Silvestervorsätzen auf? Ich hoffe wirklich, dass mir die Umsetzung der neuen Vorsätze nachhaltiger und ernsthafter gelingt.

Jetzt, da die verbleibenden Wochenenden bis zur Geburt an zwei Händen abzählbar sind überkommt mich, neben dem Tüfteln an neuen Vorsätzen, fast täglich eine Welle von Arbeitswut und Tatendrang. Ich sollte meine Websites aktualisieren, Werbung schalten, Netzwerke knüpfen und schon Aufträge und Ausstellungen für 2015 an Land ziehen. Ich könnte smarte Pläne schmieden, neue Allianzen mit anderen KünstlerInnen schließen und unsere zukünftige innerfamiliäre Arbeitsteilung optimieren.

Was jedoch über allem steht ist das große Fragezeichen, wie unser Kind das Leben, wie wir es gewohnt sind, verändern und ummodeln wird. Ich rechne mit verschobenen Prioritäten, effizienterer Zeitplanung und vielem, das unplanbar ist und bleibt – ein Quäntchen Chaos. Vor allem erheische ich aber jedes Mal, wenn unser kleiner Junge sich trommelnd gegen meine Bauchdecke stemmt und sich bei mir dieser wunderliche und in mich gekehrte Gesichtsausdruck einstellt, ein Stück des Glücks, das uns widerfahren ist und das uns noch bevorsteht.

Kommentare

One thought on “Zwischen Nestbautrieb und Arbeitswut”

  1. Monika, die Mama sagt:

    …und das, was mein süßes Mädchen zusammenhamstert, ist ja längst nicht alles! Auch im Bau des Mutterkrokodils (Großmutterkrokodils?) wird für das neue, kleine Kind in der Familie zusammengetragen, was immer notwendig ist, um es dem kleinen Prinzen so gemütlich wie nur möglich zu machen, wenn die Oma besucht wird. Wir alle warten schon sehnsüchtig auf das Burli. Und auch wir werden uns überschlagen im Bemühen, den Buben auf Wolken zu betten, zu hüten, zu beschützen und zu verwöhnen. Und ich fühle Oma-Kräfte in mir, die denen des Gladiators nicht nachstehen. Niemand wird meiner Tochter und dem Enkelkind zu nahe kommen. Ich passe auf. Ich bin da. Ich verteidige das wachsende Glück meiner Familie mit ganzer Kraft. An mir kommt niemand vorbei. Dass „Groß“mutter auch „starke, alte“ Mutter heißen könnte, war mir nie mehr bewusst, als in der Zeit des Wartens auf das Enkelkind.

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