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Zwischen Panik und Zuversicht

Wie hypnotisiert lausche ich den Geschichten meiner Mama, Großmütter und meiner Schwiegermutter. Alle haben sie so viel zu erzählen, wenn es um ihre Schwangerschaften, Geburtserlebnisse und die damaligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen rund ums Kinderkriegen geht. Ich fühle mich reich beschenkt und ich bin dankbar für die unterschiedlichen Perspektiven, die mir helfen, herrschende gesellschaftliche Normen für Schwangere und junge Mütter zu hinterfragen.

Was heute als undenkbar gilt, nämlich die Entscheidung, während der Schwangerschaft gelegentlich zu rauchen, ein Gläschen Sekt oder regelmäßig mehr als eine Tasse Kaffee zu trinken, war vor einigen Jahren noch der werdenden Mutter überlassen. Heute lastet ein enormer Druck auf Schwangeren und das Korsett des korrekten Verhaltens wird immer enger. Die richtigen Vitamine, der Verzicht auf sämtliche Genussmittel, eine große Palette an verbotenen Nahrungsmitteln und eine lückenlose Überwachung der Gewichtszunahme sind heute die Norm.

Diese Vorgaben werden eingefordert durch das Schüren von Angst- und Schuldgefühlen. Eine weitere Breitseite der gesellschaftlichen Erwartungen ist die Vorstellung, dass eine junge Mutter wenige Wochen nach der Geburt durch nur ein bisschen Disziplin wieder die Figur eines Bikini-Models haben sollte. Von Geschichten der Frauen meiner Familie weiß ich definitiv, dass diese Haltung neu ist und ich kann und will es nicht einsehen, dass so ein frauenverachtender Schwachsinn kursiert und Leidensdruck erzeugt.

Ich wünsche mir für mich und besonders auch für die wackeren Frauen aus meiner Schwangerengymnastikgruppe, dass es uns gelingt, uns loszulösen vom Ideal der perfekten Schwangerschaft, des perfekten streifenfreien Babybauchs und vom Druck nach der Geburt sofort wieder die Rolle des begehrenswerten Objekts einnehmen zu müssen.

Kommentare

One thought on “Zwischen Panik und Zuversicht”

  1. Monika, die Mama sagt:

    Nur Mut!…Also ich war kein knuspriges, Begehrlichkeiten weckendes glatthäutiges Frauerl nach den Schwangerschaften, ich war monatelang ein sackartiger Elefant ohne Haarschnitt oder gar Taille… Aber nicht ewig. Gelassenheit und Frauenstolz sind die besten Wegbegleiter in den ersten Monaten nach der Schwangerschaft. Man hat ein neues Leben geschaffen! Wahnsinn! Was ist im Vergleich zu diesem Wunder eine hartnäckige Speckschicht über den Nieren?

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